Werden die Spritpreise wieder sinken?

Werden die Spritpreise wieder sinken?

Geopolitik, Preisschwellen, Subventionen und der EU-ETS 2 sprechen gegen eine Rückkehr zum alten Preisniveau an der Zapfsäule.

Werden die Preise an der Tankstelle wieder zum Vorkrisenniveau zurückkehren? Vieles spricht dafür, dass wir es nicht mit einer vorübergehenden Spitze zu tun haben, sondern mit einem neuen Preisboden.

1. Geopolitische Instabilität

Die globalen Energiemärkte reagieren empfindlich auf Krisen jeglicher Art. Insbesondere Konflikte wie aktuell im Nahen Osten führen dazu, dass sogenannte Risikoprämien dauerhaft in den Rohölpreis eingerechnet werden. Das bedeutet, dass der Markt gar nicht erst auf eine tatsächliche Verknappung wartet, sondern bereits die Möglichkeit einer Verknappung die Preise in die Höhe treibt.

Dabei lässt sich an der Zapfsäule das Phänomen der “Rockets and Feathers” leicht beobachten. Steigen die Rohölpreise an, schießen die Spritpreise wie eine Rakete nach oben. Fallen die Rohölpreise dann wieder, fallen die Preise an der Tankstelle nicht rapide ab – stattdessen sinken sie langsam und zögerlich, wie herabsegelnde Federn. Dieser Effekt sorgt dafür, dass Entlastungen meist verzögert und unvollständig beim Verbraucher ankommen.

2. Psychologische Preisschwellen

In den letzten Jahren haben die Mineralölkonzerne gelernt, dass auch historisch hohe Preismarken von 1,90 € oder 2,00 € pro Liter zähneknirschend hingenommen werden, ohne dass der Absatz flächendeckend einbricht. Insbesondere bei Pendlern, die auf das Auto angewiesen sind, sinkt auch bei steigenden Preisen die Nachfrage kaum. Durch diese fehlende Preiselastizität besteht für die Anbieter kein Anreiz, einen Preiskampf nach unten zu führen, um mehr Nachfrage zu erzeugen.

Während des Irankrieges wurden psychologisch wichtige Preismarken überschritten. Wer im April 2026 noch für 2,20 € pro Liter getankt hat, wird sich über 2,00 € zunächst nicht beschweren. Es ist naheliegend, dass die Konzerne hier eine neue Normalität schaffen wollen.

3. Subventionen und ihre Grenzen

Die Erfahrungen mit Maßnahmen wie dem Tankrabatt im Mai 2026 haben gezeigt, dass staatliche Eingriffe oft verpuffen: Sie sind fiskalisch teuer und kommen nur teilweise beim Verbraucher an. Zudem profitiert der Staat als stiller Teilhaber von höheren Preisen – je höher Rohölpreis und CO2-Abgabe, desto höher die Mehrwertsteuer pro Liter.

Ob es künftig erneut zu solchen teuren und ineffizienten Markteingriffen kommt, ist daher zweifelhaft.

4. Die Zukunft: EU-ETS 2

In Deutschland gibt es einen CO2-Preis auf Kraftstoffe. Mit dem heutigen nationalen Emissionshandelssystem liegt der Preis bei etwa 55-65 € pro Tonne CO2, was etwa 15 Cent bei den Spritpreisen ausmacht. 2027 wird sich dieser Preis leicht erhöhen.

Übernächstes Jahr, ab 2028, wird dieses System auf die gesamte EU ausgeweitet. Allerdings als freier Markt und ohne feste Preise: Es gibt eine Obergrenze für die Gesamtmenge an CO2, die ausgestoßen werden darf. Unternehmen müssen Zertifikate ersteigern. Wer mehr ausstoßen will, muss anderen die “Verschmutzungsrechte” in Form eines Zertifikats dafür abkaufen.

Wichtig: Die EU nimmt jedes Jahr einen gewissen Prozentsatz der Zertifikate vom Markt. Der Preis entsteht durch Angebot und Nachfrage, bei einem zunehmend sinkenden Angebot.

Mit diesem System könnten die Preise bis 2030 deutlich über das deutsche Niveau steigen, etwa auf 200 € pro Tonne CO2 und damit auf 40 oder 50 Cent pro Liter, zuzüglich Mehrwehrtsteuer.

Sollte 2028 der Preis zu schnell über 45 € steigen, werden zusätzliche Zertifikate auf den Markt geworfen, um den Preis kurzfristig zu drücken und soziale Effekte abzufedern.

Szenario für 2030Preis pro Tonne CO2Pro Liter BenzinPro Liter Diesel
Optimistisch~ 100 €0,26 € inkl. MwSt0,32 € inkl. MwSt
Experten-Konsens~ 150 €0,43 € inkl. MwSt0,48 € inkl. MwSt
Hohe Nachfrage~ 200 €0,57 € inkl. MwSt0,64 € inkl. MwSt
Extrem~ 300 €0,85 € inkl. MwSt0,96 € inkl. MwSt

Quellen: Agora Energiewende, Studien von Ariadne, EWI und MCC Berlin. Es handelt sich um grobe Schätzungen.

Fazit: Die Kosten für fossile Mobilität steigen strukturell

Die Ära der billigen fossilen Energien neigt sich ihrem Ende zu – nicht, weil das Rohöl ausgeht, sondern weil Risiken und Umwelt­schäden konsequenter eingepreist werden.

Kurze Phasen der Entspannung bleiben möglich. Wer über einen Umstieg nachdenkt, sollte die eigene Fahrleistung, den tatsächlichen Energieverbrauch und aktuelle Preise vergleichen. Dafür steht der Ladekosten-Rechner bereit.

Quellen und Datenstand

Stand: 17. September 2026. Die Einordnung ist eine Meinung; rechtliche und preisbezogene Angaben sollten vor Entscheidungen anhand der Originalquellen geprüft werden.

Dieser Artikel ist eine subjektive Markteinschätzung und keine Rechts- oder Anlageberatung.